Thomas Thurners Beitrag zur Open data! Open rules?-Blogparade

Thomas Thurner beschreibt in seinem Beitrag zur Open data! Open rules?-Blogparade mit welchen Datenquellen aus und über Regierung, Verwaltung und Staat wir es in Zukunft zu tun haben werden. und welche Auswirkungen offene Daten auf Politik und Gesellschaft haben werden.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf der Website von Open Government Data Austria.

Offene Daten, Offene Zukunft – ein Beitrag zur Blogparade von TwentyTwenty

Die Veranstaltungsreihe “TwentyTwenty” nimmt sich auch des Themas Open Data an, und stellt ihr nächstes Event unter den Titel “Open Data. Open rules?”. Wie schon bei den vergangenen Veranstaltungen wird via Blogparade zu thematischen Inputs eingeladen.

Die Fragestellung diesmal: “Wie ich 2020 mit Politik und Verwaltung interagieren werde und welche Daten mir dafür zur Verfügung stehen.”

Systematisch angegangen, sei hier erstmal der zweite Halbsatz bearbeitet. Will man ein wenig genauer sein, so kommen die in Zukunft dem/der Internetnutzer/in zur Verfügung stehenden Regierungsdaten aus ganz verschiedenen Quellen. Open Government Data ist dabei nur ein Teil. Geht man von einer Fortschreibung des Derzeitigen aus, haben wir es zumindest mit folgenden Datenquellen aus und über Regierung, Verwaltung und Staat zu tun:

  • Government Leaks: WikiLeaks markiert dabei nur den Anfangspunkt einer Praktik. Immer mehr werden Geheimnisträger/innen aus dem Staatsapparat zu Informant/innen für die Allgemeinheit. Das Internet – und die darin eingebaute mögliche Anonymität – erleichtert den Fluß von Geheimnissen in Richtung Öffentlichkeit. Angefeuert vom Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit und einer zunehmend mit der Politik unzufriedenen Verwaltung.
  • Crowdsourcing: Dort wo keine staatlichen Datenquellen verfügbar sind, werden Daten von den Bürger/innen selbst erhoben. Beispielhaft für die vielen Projekte in diesem Segment, sei hier Usahidi erwähnt. Kenyas Bürger/innen sammelten dort Daten über Gewaltausbrüche.
  • Open Government Data: Besieht man sich die beiden vorangegangenen Datenquellen aus der Sicht staatlicher Stellen, so wird schnell klar, das die transparente Abgabe von Verwaltungsdaten nicht nur als Service am Bürger verstanden werden kann, sondern eine proaktive Strategie darstellt, Daten zur Nutzung bereitzustellen, um die Informationsmacht (über das eigene Tun) nicht zu verlieren.

Behält das Internet seine Dynamik bei, werden in 9 Jahren wohl sehr-sehr viele Daten über Regierung und Verwaltung verfügbar sein. Zur Navigation, Suche und Orientierung in diesem Datenuniversum werden Crawler, Suchmaschinen, Verzeichnisse und Empfehlungsalgorythmen implementiert werden. Vielleicht gibt es zu diesm Zeitpunkt soetwas wie ein SocialWeb der Regierungsdaten, oder ein Wikipedia der Regierungsdaten. Die Möglichkeiten sich ein Bild aus diesen Daten zu filtern werden vielfältig sein. Doch werden Offene Daten auch eine Auswirkung auf Politik und Gesellschaft haben? Zweifellos ja! Ein paar der Phänomene, die uns diesbezüglich erwarten, lassen sich jetzt schon ablesen:

  • Data Litracy: Es werden sich im Umgang mit den Offenen Daten neue Fähigkeiten der Nutzer/innen herausbilden. Und die Bürger/innen werden lernen – genausoviel oder genausowenig – wie derzeit mit dem Medienangebot zu leben.
  • Data Gap: Gerade die nächsten Jahre des Übergangs, werden von einer Kluft zwischen Datenleser/innen und Daten-Nichtleser/innen gekennzeichnet sein. Diesen gesellschaftspolitisch gefährlichen Wissensunterschieden kann nur mit Bildung begegnet werden.
  • Data Intermediäre: Gerade Journalist/innen und Blogger werden die Erklär- und Visualisierungsarbeit im Universum der Offenen Daten übernehmen.
  • Politik auf gemeinsamer Datenbasis: Bürger/innen und Politik arbeiten 2020 auf Basis von Daten, die beide Gruppen offen einsehen können. Das bedeutet mehr Transparenz in Richtung Bürger, aber auch ein mehr an zu tragender Verantwortung des/der – nun informierten – Einzelnen. Übernimmt unter diesen Bedingungen die Politik noch weiter die Gestaltungsverantwortung auch für unpopuläre Maßnahmen, oder lagert sie diese an die Bürger/innen aus?

So läßt sich schließlich eingiges aufzählen und trotzdem wenig vermuten, was die Frage von TwentyTwenty anbelangt. Offene Daten, sind an-und-für-sich noch kein demokratiepolitisches Programm, erst ihre Einbettung in staatliche und zivilgesellschaftliche Strategien machen sie zu gesellschaftlich relevanten Zukunftsfaktoren.

Insofern, wäre die Frage wohl: Welche Arten von staatlicher Politik und welche Arten von zivilgesellschaftlichem Handeln brauchen Offene Daten zu deren Erfolg?

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2 Kommentare zu Thomas Thurners Beitrag zur Open data! Open rules?-Blogparade

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