Jörg Wipplinger: Zukunft der Information/2020

Zweites Video zu twentytwenty, dieses Mal zur Frage “Wie wird die Gesellschaft in Zukunft mit Information umgehen”. Eine Zukunftsfrage, die ich mit einem Rückblick im Rückblick beantworte und mit vielleicht endlich einmal einer fehlerhaften Spekulation. (Anm.: Das Video zu Jörg Wipplingers Beitrag zur Blogparade finden sie auf diewahrheit.at)

Manchmal bin ich richtig gut. Sogar so gut, dass ich mich wundere, dass ich zwar Gläubiger habe, aber keine Jünger.

Anlass für diese durchaus angebrachte Selbstweihräucherung ist ein Blick in die Vergangenheit, der zeigt, wie unglaublich treffend mein damaliger Blick in die Zukunft war.

2004 hab ich an einem Buch mitgeschrieben: error21, unter anderem verfasste ich da ein Kapitel über die Evolution des Menschen und was wir daraus für die aktuellen Kommunikationstechnologien lernen können:

Die meisten großen Primatenarten sind sehr soziale Tiere – der Mensch ist hier nicht Ausnahme, sonder Spitzenreiter. Beziehungsmanagement ist zentrales Element unserer Vergangenheit, unserer Gegenwart und es bestimmt die Technologie der Zukunft.

Was der Selbstdarstellung dient, was der überprüfung der Selbstdarstellung anderer dient, was uns zusammen bringt und was persönliche Informationen transportiert, wird erfolgreich sein. Weil es auf ein tiefes menschliches Bedürfnis eingeht, das nicht erst per Werbung geweckt werden muss.

Als ich das geschrieben habe, wurde Facebook gerade gegründet, gekannt hat es noch kein Mensch. Twitter folgte 2006. Eindrucksvoller als durch die Entwicklung der Social Media hätte sich meine Vorhersage kaum bestätigen können.

Sofern ich denn Jünger hätte, würden die mich nun verklärt anstarren und mit absoluter Hingabe zuhören, wie ich die weitere Entwicklung vorweg nehme. Also spekulier ich noch ein wenig, damit man mir dann in ein paar Jahren endlich mal ein einen Irrtum unterstellen kann: Überforderung und soziale Filter werden langfristig zu einer stärkeren Isolation der einzelnen Communities führen und nicht zu mehr Dialog: zwei Gründe: 1. Jeder Spinner findet seine Community und somit eine soziale Nische. Er muss sich also nicht mehr an andere anpassen. Keiner von uns muss das, weil wir online weltweit Leute finden, die uns bestätigen. Alle anderen werden entfreundet, ist mir selbst schon mehrfach passiert – zwei Mal wegen meiner Einstellung zu Religion und einmal wegen dieser bodenlos dummen Naturheilmittel-Petition.

2. Viele reale Communities verschwinden, das Bedürfnis aber bleibt. Die überlebenden Gemeinden/Gemeinschaften radikalisieren sich, sieht man an den fundamentalistischer werdenden Glaubensgemeinschaften beispielsweise bei den Apple-Jüngern.

Dieser Beitrag zur Social Information Management-Blogparadeerschien ursprünglich auf diewahrheit.at.

 

 

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